Hirschau. (u) Seit 1978 funktioniert der Musikzug an einem August-Wochenende den Marktplatz zum Festplatz um – heuer zum 50. Mal. Dass es ein „heißes Fest“ wurde, dafür sorgten Sankt Petrus temperatur- und die beiden Musikkapellen stimmungsmäßig.
Samstag wie Sonntag strömten die Gäste, Einheimische wie Urlaubsgäste, zu Hunderten in die Innenstadt, angesichts der Temperaturen jenseits der 30-Grad Marke freilich erst ab dem Spätnachmittag. Sie alle brachten, wen wundert’s, einen gehörigen Durst und eine gesunde Portion Appetit mit. Das 90-köpfige Musikzug-Helferteam um Vorstand Maximilian Stein war im Großeinsatz – egal ob hinter dem Bratwurst-, Steak- oder Fischgrill, beim Speisenverkauf, ob als Bedienungen oder Schankkellner. Auch in der Weinbar hatte das Personal alle Hände voll zu tun.

Bieranstich beim 50. Marktplatzfest
Bei der Festeröffnung am Samstagabend war eigentlich eine Premiere angesagt. Mit der neuen Bürgermeisterin Beate Dietrich sollte erstmals eine Frau das erste Fass Festbier anzapfen. Doch sie beschied sich mit der Beobachterrolle und beäugte mit nicht zu übersehender Skepsis die Anzapfzeremonie, die an ihrer Stelle Lieutenant Colonel Michael P. Caspers übernahm, der Kommandeur der 1st Squadron des 2nd Stryker Cavalry Regiments.
Drei gezielte Schläge mit dem Holzhammer – dann verkündete der US-Offizier auf „bayerisch-amerikanisch“, dass „ozapft is!“ So konnte die versammelte Anzapf-Prominenz bei bester Laune auf das Gelingen des Festes anstoßen. Die Original Fichtelgebirgsmusikanten heizten dann die Stimmung kräftig an und riefen regelmäßig zu einem „Prosit der Gemütlichkeit“ auf.
Die Verschnaufpausen der Kapelle wurden von den Majoretten des Musikzugs gefüllt. Die „Minis“ schwangen tanzend ihre Batons zu „Zoo“ und „Try everything“ von Shakira sowie „Bailor“ von Deorro. Glänzend, ihre Batons perfekt beherrschend, interpretierten schließlich die „Großen“ den Song „Stay“ von Myles Smith. Die Kleinen wie die Großen ernteten für ihre gelungenen Darbietungen frenetischen Applaus.
Der Sonntag begann mit einer ökumenischen Andacht auf der Festbühne, gestaltet von Diakon Richard Sellmeyer und Pfarrer Dr. David Scherf von der Erlöser-Kirche Amberg. Dieser griff in seiner Predigt die Großbaustellen Rathaus und Stadtpfarrkirche auf. Baustellen seien kein Zeichen dafür, dass etwas kaputtgeht, sondern dafür, dass Zukunft entsteht. Mit Blick auf den Petrus-Satz „Lasst euch als lebendige Bausteine aufbauen“ betonte er, dass Kirche nach dem Willen Gottes von allen gemeinsam gebaut werden müsse. Deshalb seine Baustelle kein Grund zur Sorge, sondern zur Hoffnung. Musikalisch gestaltet wurde die Andacht vom Musikzug unter Leitung von Marcus Hoffmann. Im Anschluss setzte sofort der Run auf den Schweinebraten mit Knödel und Salat ein, auch die Bratwürstln, Steaks und geräucherten Forellen waren sehr gefragt. Nachmittags herrschte zudem große Nachfrage nach den von den selbstgebackenen Kuchen, den Fisch- und Lachssemmeln sowie dem Käse und dem Obatzt’n. Ab 16 Uhr spielte die Kapelle „Jedsmal Anerschd“ bis in die Nacht hinein ganz nach dem Geschmack ihres Publikums auf. Dazwischen machten sie mal Platz für den Show-Auftritt der Narrhalla-Jugendgarde. Die Mädels zogen das Publikum mit perfekt inszenierten Schritten und Figuren zu Songs wie „Absolutely Everybody“ oder „Bruttozozialprodukt“ von Geier Sturzflug in ihren Bann und wurden mit tosendem Beifall belohnt. Die sommerlichen Temperaturen luden die gut gelaunten Gäste zum Verweilen in gemütlicher Runde ein. Kurz nach Mitternacht konnte Musikzug-Chef Maximilian Stein konnte ein positives Fazit ziehen. Sein Dank galt nicht nur seiner Helferschar, die „Top-Arbeit“ geleistet hatte, sondern auch der Firma Falk, der Schloss-Brauerei und dem Bauhof, die ihre Fahrzeuge zum Absperren der Zufahrtsstraßen zur Verfügung gestellt hatten.

Ein voller Marktplatz am Samstagabend